Leider verlor die Auferstehungskirche am 30.Juni 1970 den bisheri-gen Pfarrstelleninhaber Pastor Karl Moser, der nach 25 Jahren seelsorgerischen Schaffens in den Ruhestand versetzt wurde. Ihm gebührt an dieser Stelle der besondere Dank der Gemeinde für die aufopferungsvolle Arbeit gerade in der schweren Nachkriegszeit. Als kröneneden Abschluß seiner Tätigkeit ist die goldene Konfirma-tion zu sehen, die der scheidende Pastor am 24. Mai 1970 zusammen mit den Jubilaren des Jahrganges 1920 und früher in der Auferste-hungskirche feiern durfte.
Als Nachfolger wurde vom Presbyterium am 2. Juli 1970 Pfarrer Klaus-Dieter Weitzel einstimig gewählt. Seine Einführung erfolgte am 16. August 1970 durch Superintendent Altenmüller.
In personeller Hinsicht gab es im Jahre 1970 noch weitere Verände-rungen. Am 21.12.1970 kündigte die Gemeindehelferin Frau Gerda Henrici ihren Dienst zum 1.4.71, um nach dem Examen ihres Mannes Scharnhorst zu verlassen.
Auf Vorschlag von Pastor Weitzel wurde vom Presbyterium der Be-schluß gefaßt, die Stelle des Gemeindhelfers nicht mehr zu besetzen, sondern eine Gemeindeschwesternstation einzu-richten, um den alten, pflegebedürftigen Menschen besser helfen zu können. Diese Aufgabe übernahm am 1.6.1971 die Gemeindeschwester Liselotte Melzer.
Ein besonders harter Schlag traf die Kirchengemeinde durch den plötzlichen Tod der Rendantin Frau Erna Sternal am Ewigkeitssonntag 1970. Mit Frau Sternal verlor die Gemeinde eine treue Mitar-beiterin, die gerade in den Jahren des Wiederaufbaus auf Grund ihres Fachwissens den leitenden Gremien immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Auf Beschluß des Presbyteriums wurde die va-kante Rendantur nicht wieder besetzt, sondern dem Rentamt beim Ge-samtverband evangelischer Kirchengemeinden übergeben.
Für die allgemeine Verwaltungsarbeit
wurde am 1.7.1970 Frau Margarethe Zander als Gemeindesekräterin eingestellt.
Besonders enge gestaltete sich unter Pastor
Weitzel die Zusammenarbeit mit der katholischen Nachbargemeinde Sankt Immaculata.
Hierbei sei zu erwähnen die gemeinsame Durchführung des Martinszu-ges,
des regelmäßigen Schulgottesdienstes, sowie die Abhaltung ei-nes
ökumenischen Gottesdienste an jedem dritten Adventssonntag, der im
jährlichen Wechsel in der evangelischen und katholischen Kirche durchgeführt
wird.
In der Zeit seines Schaffens konnte auch
das 60 Jährige Bestehen der Auferstehungskirche begangen werden. Dieses
Jubiläum wurde un-ter großer Anteilnahme vom 8.-10. Oktober
1971 durch ein Gemeindefest gefeiert.
Im Küsterdienst vollzog sich ein
Wechsel. Frau Wally Gumprecht verließ uns im Oktober 1971. An ihre
Stelle trat vom 1.5.1972 an Frau Christel Herrmann.
Leider mußte Herr Pastor Weitzel seine fruchtbringende Arbeit am 6.1.1973 aufgeben. Eine schwere Erkrankung eines seiner Kinder zwang ihn dazu, auf Anraten der Ärzte , den Wohnsitz zu wechseln. Seinem Wunsche wurde nur mit großem Bedauern der gesamten Gemeinde stattgegeben. Er hat der Gemeinde viele Impulse gegeben und an dieser Stelle sei ihm gedankt für seine mühevolle Arbeit.
Nach einer kurzen Vakanz wurde durch einstimmigen
Beschluß des Presbyteriums Herr Pastor Heinz-Alfred Frey gewählt.
Pastor Frey trat seinen Dienst am 1.6.1973 an und wurde von Herrn
Superinten-dent Schunke am Pfingstsonntag desselben Jahres eingeführt.
Aus seinem Schaffen sei besonders zu erwähnen,
daß er neben dem aktiven Gemeindeleben und seiner seelsorgerischen
Tätigkeit die kooperative Arbeit mit den Nachbargemeinden ausbaute
und ver-tiefte. So wurde durch regelmäßigen Predigertausch mit
den Gemein-den dem Gottesdienst neue Impulse gegeben, die von den Gottes-dienstbesuchern
sehr positiv aufgenommen wurden. In dieser Zeit übernahm auch die
Schalom-Gemeinde in Neu-Scharnhorst auf Grund ihrer besseren Möglichkeiten
die Betreuung der Behinderten aus Alt-Scharnhorst. Weiterhin aktivierte
Pastor Frey die Kirchenmusik. Er war u.a. Vorsitzender des Ausschußes
für Kirchenmusik in den Vereinigten Kirchenkreisen Dortmund und Lünen.
An jedem letzten Samstagabend des Monats veranstaltete er einen kir-chenmusikalischen
Vespergottesdienst, zu dem neben dem eigenen Or-ganisten, Posaunen- und
Kirchenchores, andere namhafte Kirchenmu-siker, Instrumetalgruppen und
Chöre gewonnen werden konnten. Im MIttelpunkt dieser Vespergottesdienste
stand neben einer kurzen Wortverkündigung des Gemeindepastors das
Lob Gottes durch die Kir-chenmusik.
In seiner Amtszeit konnte auch am 4.11.1973 das 50jährige Bestehen des Kirchenchores in einem würdigen Rahmen gefeiert werden. Leider verließ uns der Kirchenchorleiter Herr Friedrich König nach mehr als 15jährigem treuen Dienst am 30.9.1974. Die Leitung des Chores übernahm dann Herr Hans Friedrich Güting. Auch Herrn König gilt für sein Wirken unser Dank.
Am 31.12.1975 schied die vonn allen geliebte und geachtete Gemein-deschwester Liselotte Melzer wegen Erreichung der Altersgrenze aus ihrem Amt aus. Jedoch bleib sie uns als ehrenamtliche Mitarbeite-rin, sehr zur Freude aller, bis zu ihrem Tode im Jahre 1981, erhalten. der Schwerpunkt ihrer Arbeit lag in der Betreuung der al-ten und oft hilfebedürftigen Menschen. Außerdem rief sie den noch jetzt bestehenden Nähkreis ins Leben. Auch ihr sei im Nachhinein Dank für ihre nie ermüdnde Arbeit gesagt.
Die pflegerische Tätigkeit von Schwester
Liselotte ) übernahm die neugegründete Diakoniestation für
den Stadtbezirk Scharnhorst.
Aus gesundheitlichen Gründen mußte
Frau Christel Herrmann ihre Tätigkeit als Küsterin am 30.9.1979
beenden. Auch ihr sei für ihren Einsatz Dank gesagt. Die Nachfolge
trat Herr Helmut Majora am 1.10.79 an.
Dem Wunsche von Pastor Frey sich zu verändern, wurde nur nach lan-gem Ringen mit dem Presbyterium stattgegeben. Er schied am 30.6.1980 aus dem Dienst der Gemeinde aus. Für sein Schaffen sei ihm hiermit gedankt.
Nach dem Ausscheiden voin Pastor Heinz-Alfred Frey begann für die Mitarbeiter der Auferstehungsgemeinde eine schwere Zeit. Da die Pfarrstelle nicht sofort wieder besetzt werden konnte, war man auf die Hilfe der Nachbargemeinde angewiesen. Aber jetzt zeigte sich erfreulicher Weise, daß Solidarität nicht unbedingt nur Lippenbekentnisse sind. Dank der Bereitschaft der benachbarten und pensionierten Pfarrer konnten alle Gottesdienste und Amtshandlungen durchgeführt werden. Den Besuchsdienst übernahmen die Mitarbeiter der Frauenhilfe und das Presbyterium. Auch alle anderen Grupen, wie Frauenhilfe, Männerkreis, Seniorenclub, Posaunen- und Kirchenchor hielten ihre Stunden wie gewohnt. Den Katechumenen- und Konfirmandenunterricht übernahm Herr Superintendent Schunke, der auch auch dem Presbyterium in dieser schweren Zeit der Vakanz mit Rat und Tat zur Seite stand.
Dank der selbstlosen Einstzbereitschaft aller Mitarbeiter, und hier sei nicht zuletzt der Kirchmeister Karl Heitkamp erwähnt wurde auch diese schwere Zeit überstanden. Aber leider gab es zu diesem Zeitpunkt noch an-dere Sorgen. Durch die Krise in der Stahlindustrie waren bei der Firma Hoesch-Estel 7000 Arbeitsplätze gefährdet. Da sich die Struktur unserer Gemeinde überwiegend aus Bergarbeitern und Stahl-werkern zusammensetzt, fürchteten viele Gemeindeglieder ihren Ar-beitsplatz zu verlieren und sahen ihre Existenz und die ihrer Familie bedroht. In einer ihrer Sitzungen diskutierte das Presbyterium über die Probleme und verfaßte einen Brief an den Vorstand der Hoesch-Estel AG mit der Bitte, um schnellste Errichtung des geplanten Oxygenstahlwerkes.
Wortlaut des Briefes:
" Das Presbyterium der Ev. Kirchengemeinde
Dortmund-Scharnhorst sieht mit Sorge der derzeitigen Entwicklung in der
Dortmunder Stahlindustrie, von der zahlreiche Gemeindemitglieder unserer
Kir-chengemeinde betroffen sind.
Wir teilen die Sorgen der betroffenen
Arbeitnehmer und ihrer Familien, die um ihre Arbeitsplätze fürchten.
Wir bitten deshalb die Verantwortlichen des Estel-Konzerns und der Estel-Hoesch-Hüttenwerke
ales in ihrer Macht stehende zu tun, um den beabsichtigten Neubau des Oxygenstahlwerkes
in Dortmund umgehend zu verwirklichen. Es muß alles getan werden,
um einen weitern Verlust von Arbeitsplätzen zu verhindern."
In die Zeit der Vakanz fiel auch der Fortgang des Chorleiters Her Hans Friedrich Güting. Er verließ uns am 31.1.1981. Auch ihm gilt unser Dank. Seine Arbeit führte unser langjähriger Organist und Posaunenchorleiter Herr Hans-Jürgen Thimm fort.
Nach einem Vorstellungsgespräch im November 1980 bat das Presbyterium Herrn Manfred Wuttke, nach Beendigung seines Vikariates in London, in unsere Gemeinde zu kommen. Vom April bis September 1981 war er als Vikar unter der Anleitung von Superintendent Schunke in unserer Gemeinde tätig. Seit dem 1.10.1981 versieht er seinen Dienst als Pastor.
Ein Festtag im Leben der Gemeinde war der 8. November 1981, als Pastor Wuttke im Beisein deutscher und ausländischer Amtsbrüder von Herrn Superintendent Schunke ordiniert wurde.
In Pastor Wuttke hat die Auferstehungsgemeinde einen jungen, tat-kräftigen und pflichtbewußten Seelsorger bekommen, denn sie sich sehnlichst gewünscht hat. Aber auch für ihn ist die Übernahme des neune Amtes nicht ganz leicht. In seiner ersten Pfarrstelle hat er 4000 Menschen in seelsorgerischer Hinsicht allein zu betreuen, da die Gemeinde Alt-Scharnhorst nur eine Pfarrstelle umfaßt. Aber durch immensen Fleiß und mit großem Engagement hatte er sich bald die Herzen aller erorbert. Auch für die Mitarbeiter wurde die Ar-beit durch seinen Dienstantritt erleichtert. Außer seinen anderen vielfältigen Aufgaben kümmerte er sich besonders um die alten und hilfsbedürftigen Menschen. Darüber hinaus setzte er in hohem Maße für die Kinder- und Jugendarbeit ein, die doch lange im Schatten des Gemeindelebens gestanden hatte und akti-vierte sie. Die sich abzeichnenden Tendenzen lassen einige Hoff-nungen erwarten.
Den 25. Jahrestag des Wiederaufbaus unserer Kirche feierten wir am 27. Juni 1982 mit einem Gemeindefest. Es begann mit einem gut besuchten Familiengottesdienst, der von Pastor Wuttke gehalten wurde und setzte sich fort mit Spielen und Unterhaltung im und um das Gemeindehaus. Dank der Spendenfreudigkeit der Scharnhorster Bürger konnte noch ein Überschuß erzielt werden. Dieser wurde auf ein-stimmigen Presbyteriumsbeschluß der Kinder -und Jugendarbeit in unserer Gemeinde zur Verfügung gestellt.
Zu unserem Gemeindefriedhof, der ja auf einem Grundstück, das die damalige Harpener Bergbau AG zur Verfügung gestelt hatte, angelegt ist sei zu erwähnen, daß dieses in einer Größe von 9645m² nach zähen Verhandlungen mit der Harpen AG, die Rechtsnachfolgerin der damaligen Harpener Bergbau AG ist, zu einem Preis von 1,-DM/m² erworben worden ist. Einen maßgeblichen Anteil an diesem günstigen Abschluß hatte unser Presbyter Gottfried Albert. Auch ihm gebührrt unser Dank.
Zur Entwicklung der Gemeindegliederzahl sei zu sagen, daß diese eine rückläufige Tendenz zeigt. Von ihrem höchsten Stand von über 5000 ist sie im Laufe der Jahre auf knapp 3900 zurückgegangen. Der Grund dieses Rückganges ist, daß durch die Schaffung neuen Wohnraumes viele junge Familien, die oft sehr beengt mit ihren Eltern gewohnt hatten, eine eigene Wohnung bekamen und aus unserem Gemeindegebiet auszogen. Weiterhin sind viele Wohnungen , die in den alten Wohnsiedlungen freigeworden sind, von Mitmenschen nichtchristlicher Religion belegt worden. Gerade aus den Fragen des Zusammenlebens von Menschen christlicher und nichtchristlicher Religionszugehörigkeit werden sich für unsere Gemeinde noch manche Aufgaben ergeben.
An dieser Stelle sei stellvertretend für alle ehrenamtlichen Mitarbeiter- zwei Männer besonders Erwähnung finden. Am 29.4.1981 konnten Herr Karl Heitkamp und Herr Rudolf Wutzke auf einen 25jährigen Dienst als Presbyter zurückblicken. In einer Feier-stunde wurden die beiden Jubilare für ihren selbstlosen Einsatz zum Wohle unse-rer Gemeinde geehrt. Herr Rudolf Wutzke wurde nach seinem Aus-scheiden aus dem Presbyterium zum Ehrenpresbyter er-nannt. Außerdem wurde in der Presbyteriumssitzung am 21.6.1982 und während des Besuches des Kreissynodalvorstandes am 9.9.1982 unser Kirchmeister Karl Heitkamp von Herrn Superintendent Schunke durch ein Buchge-schenk für 25 Jahre aufopferungsvollen Dienst als Kirchmeister geehrt. Unser Dank und unsere Hoffnung geht in der Bitte, daß Gott unser Herr diesen beiden treuen Dieneren in der Gemeinde Jesu Christi noch lange die Kraft und die Gesundheit gibt, damit sie uns weiterhin mit ihrer Erfahrung und ihrem rei-chen Wissen zur Verfügung stehen.
Abschließend geht unsere Bitte dahin,
daß Gott, der Herr, seine Gemeinde segnet, und wir die Kraft und
den Mut für weiter schwie-rige Aufgaben aus seiner Hand empfangen
dürfen. Weiterhin bitten wir darum, daß er in seiner von
Kriegsängsten bedroh-ten Welt den Verantwortlichen Weisheit und Verstand
gibt, daß diese von ihm geschaffene Welt nicht von Menschenhand vernichtet
wird.
(Hier endet der laufende Text im Gemeindebuch)