Noch ein Wort zur Einweihung der wiederaufgebauten Auferstehungskirche am 21. Juli 1957
Der Einweihungstag, 21.Juli 1957, für
die in der Zeit vom Mai 1956 bis Juli 1957 wiederaufgebauten Auferstehungskirche,
war für die Gemeinde Scharnhorst ein Höhepunkt echter und wahrer
Freude im ge-samten Wiederaufbauwerke aller durch Kriegseinwirkung zerstörter
Kircheneigenen Gebäude.
Die Gemeinde Scharnhorst hatte schon manchen
Freudentag in der Wiederaufbauphase und in der damit verbundenen Sammlung
der Gemeinde unter Gottes Wort als Gnadenerweise des allmächtigen
und guten Gottes und seines Christus erlebt.
im Jahre 1947 wurde -über den Ökumenischen Rat der Kirchen der Welt in Genf- der Gemeinde eine zu einer Notkirche umgebaute Schweizer Militärbaracke als Geschenk übergeben.
Die Errichtung dieser Notkirche auf dem Trümmergrundstück der Auferstehungskirche und ihre Einweihung am 12.Oktober 1947 bedeutete für die Gemeinde den Beginn einer nun wieder geordneten Gemeindearbeit. Gottesdienste, Versammlungen der Frauenhilfe, des Männerkreises und der der Jugendgruppen konnten jetzt wieder ohne Raumschwierigkeiten gestaltet und gehalten werden. Die damit verbundene wichtigste Gemeindeaufbauarbeit, die Verkündigung der frohmachenden Gottesbotschaft, war wieder möglich geworden. Der kirchliche Unterricht für die Jugend hatte wieder eine Heimat gefunden. Bis zu diesem Augenblick hatte hatte die Schulbehörde in Dortmund durch die freundliche Vermittlung der Rektoren Herrn Kornfelde von der Wambelerholzschule und Herrn Kuhn von der Westholzschule in beiden Schulen Klassenräume für den kirchlichen Unterricht zur Verfügung gestellt. Ebenso soll die große Hilfe der Harpener Bergbau-AG erwähnt werden, die uns für eine Übergangszeit den Gesellschaftsraum des Gasthauses "Krug zum grünen Kranze" für alle Gemeindearbeiten zur Verfügung gestellt hatte.
Am Palmsonntag konnte die erste Konfirmation in der neu erstellten Notkirche stattfinden. Dem Küsterehepaar Josef und Emma Vipotnik konnte in einem kleinen Nebenraum der Notkirche eine Notwohnung geschaffen werden, da ihre eigene Wohnung den Bombenangriffen zum Opfer gefallen war. Diese beiden treuen Mitarbeiter haben, bis zum Wiederaufbau ihrer zerstörten Wohnung im Grunewald, in diesem Notraum gewohnt und konnten an Ort und Stelle ihren so segensreichen Dienst für die Gemeinde tun.
Anschließend hat die Notwohnung dann auch noch einer Flüchtlingsfamilie, einer Frau mit zwei Kindern, bis zum Jahre 1956 zur Verfügung gestanden.
Nun aber zurück zum Einweihungstag der wiederaufgebauten Auferstehungskirche.
Der Wiederaufbau der Kirche konnte zügig
und ohne Unfall für die Männer des Handwerkes im Juli 1957 zu
Ende geführt werden. Das Richtfest wurde nach viermonatiger Bauzeit
auf den 19.September 1956 festgelegt.
Einweihung und Übergabe der Kirche
an die Gemeinde wurde durch das Presbyterium für den 21. Juli 1957
vorgewehen und zugleich der Präses der Ev. Kirche von Westfalen D.
Ernst Wilm- gebeten, den Einweihungsgottesdienst zu übernehmen. Unser
verehrter Herr Präses sagte zu unser aller Freude auch zu, der Gemeinde
diesen Dienst zu tun.
Das war nicht nur ein wahrhaftig festlicher
Tag, sondern für alle, die ihn bewußt mitgefeiert und erlebt
haben, ein Tag der Besinnung unmd des Erfahrens von Gottes Güte und
Freundlichkeit.
Am 21. Juli 1957 versammelte sich vormittags
eine vielhundertköpfige Gemeinde, soweit es möglich war in der
Notkirche. Der größere Teil dieser Gemeinde, einschließlich
vieler Gäste, mußten wegen Platzmangel auf dem notdürftig
hergerichteten Vorplatz verbleiben, um nach einem kurzen Verkündigungswort
und Gebet unter den Klängen der Posaunen des Chores der Gemeinde "Preußen"
(Leitung von Herrn Karl Schillack) in die wiederaufgebaute Kirche einzuziehen.
Das Leitwort der Bibel, das der Ortspastor , Karl Moser, für die kurze
Abschiedsandacht in der Notkirche gewählt hatte, war das Wort Jesu
aus Matthäus 7, 24-27. Nach der Schlüsselübergabe durch
den Architekten, Herrn Egon Schickentanz an den Präses und der damit
verbundenen Weitergabe, wurde dann die Haupteingangstür vom Küster,
Herrn Paul Kiefer, geöffnet. Frauen, Männer und die Jugend nahmen
Besitz von ihrer wiederaufgebauten Kirche. Der Gottesdienst konnte wieder
in dem Raum gehalten und gefeiert werden, der in den Jahren 1911/12 zum
ersten mal errichtet worden war.
Nach dem Weiheakt, der durch den Herrn
Präses unter Assistenz des Superintendenten , Herrn Pfarrer Kohlmann
und dem Ortspastor, Herrn Pastor Moser, vorgenommen wurde,konnte der Festgottesdienst
beginnen.
Präses D.Wilm legte seiner Predigt
den Wochenspruch für die letzte Woche des Juli 1957 zugrunde:"
Wir glauben, durch die Gnade des Herrn Jesus Christus selig zu werden ",
Apostelgeschichte 15,11. Außer dem Posauenchor der Kirchengemeinde
Preußen wirkten die Kirchenchöre von Scharnhorst und der Luthergemeinde
Dortmund munter der Leitung des Organisten, Herrn Wolfgang Kesper, mit.
Eine Abendveranstaltung wurde von der Laienspielschar der Gemeindejugend
durch das Verkündigungspiel "Barabbas" gestaltet. Das war ein ereignisreicher
Tag für die durch Kriegseinwirkung so stark angeschlagene Gemeinde.
Wer ihn miterlebt hat, wird mit großer Dankbarkeit diesen Tag nicht
nur in Erinnerung behalten, sondern auch davon weitergeben und die Freundlichkeit
Gottes, die uns in Scharnhorst in großer Fülle zuteil geworden,
der nachfol-genden Generation fröhlich bezeugen.
Der in den Trümmern wieder aufgefunden Grundstein war so gut erhalten, daß selbst die zugemauerte Höhlung, des aus rotem Weser-sandstein hergestellten Steines, beim Auffinden noch unbeschädigt war. Mitglieder des Presbyteriums, der Küster J. Vipotnik und Stadtmissionar Nietz von der Stadtmission (letzter versah zu der Zeit den pfarramtlichen Dienst in Scharnhorst, von 1943- 1945) haben den Stein sichergestellt und nach Öffnung der zugemauerten Höhlung die Glasflasche mit der eingelegten Urkunde herausgenommen. Dabei wurde ferstgestellt, daß die bei der Grundsteinlegung am 18. Juni 1911 zur Urkunde beigefügten Münzen- im Gesamtwert von 38,18 RM, darunter die damals im Umlauf befindlichen Gold- und Silbermünzen in den Stücken von 20,- und 10,- RM in Gold, 3,-, 1,- und 1/2 RM in Silber nicht mehr vorhanden waren.
Es gibt nur eine Erklärung für
das Fehlen der Münzen. Nach der Grundsteinlegung am 18. Juni 1911
oder in der darauffolgenden Nacht muß ein am Bau der Kirche beschäftigter
Handwerker die noch frische Zumauerung der Steinhöhlung entfernt und
die Münzen her-ausgenommen haben. Die Wiederzumaurung am Stein war
nämlich fachgerecht getan. Wenn man bedenkt, daß die Summe von
38,18 RM im Jahre 1911 mehr als 30% vom Monatslohn eines Bergarbeiters
war, dann ist dieses Vergehen sehr bedauerlich. Ob der Griff nach dem Geld
aus einer wirklichen Not heraus oder aus dem Gedanken einer Augenblicksbereicherung
getan wurde, kann nicht mehr geklärt werden. Ganz gleich welcher Grund
auch für diese Tat angeführt werden könnte, der Täter
hat ganz gewiß eine lange Zeit mit einem unguten Gewissen leben müssen.
Wir wollen diesem Unbe-kannten kein Urteil sprechen.
Der Bau einer neuen Orgel war bereits
im Jahre 1957 bei der Orgelfirma Walcker in Ludwigsburg in Auftrag gegeben
worden. Bis zur Lieferung im Jahre 1958 stelte die Firma Walcker ein kleines
Instrument(Positiv) leihweise zur Verfügung. Im Sommer 1958 konnte
mit dem Einbau der Orgel begonnen werden. Sie bekam den Platz auf der ehemaligen
und wiederaufgebauten Orgelempore. Die genaue Be-schreibung der Orgel ist
unter der auf Seite 2 dieses Lagerbuches eingetragenen Kirchenvermögen/Titel
I Gebäude zu finden. Die Dis-position der Orgel ist unter Zugrundelegung
von 18 Registern durch Herrn Kirchenmusikprofessor Auler, Witten, im Einvernehmen
mit dem Organisten, Herrn Studienassesor Wolfgang Kesper, festgelegt wor-den.
Gleichzeitig mit dem Baubeginn und der
Montage der Orgel wurde ein von den Gemeindegliedern - Eheleute Karl
und Maria Immelt gestiftetes Kruzifix von dem Bildhauer Otto Flath,
Bad Segeberg, angefertigt.
Zum Einweihungssonntag der Orgel am 28.
September 1958 hat dies Kreuz an der Rückwand des Apsis, hinter dem
Abendmahlstisch seinen Platz bekommen. Es ist wohl ein einmaliges und eigenwilliges
Kunstwerk, wie alle Werke, die Otto Flath geschaffen hat. Es ist der Gekreuzigte,
der große Schmerzensmann;
aber zugleich ist dieser am Kreuz hängende
Jesus, auch der, der nicht nur die schmerzende Dornenkrone trägt,
sondern der auch die Krone eines Königs trägt. Jesus - der Sieger.
Am Kreuz schon der, der nach seiner Auferstehung den Jüngern als der
Sieger über den Tod, begegnet. Die vom Kreuzesbalken nach vorn abgewinkelten
Hände, sind die Hände des allen und aller Welt umfassenden und
segnenden Heilandes. Den Besuchern der Kirche sollte dies gesagt werden.
Und ein stiller Besucher sollte sich Zeit nehmen und unter dem Kreuz still
verharren und das Bild des Gekreuzigten von allen Seiten auf sich einwirken
lassen. Dann wird dieses Werk von Otto Flath ihm das sagen, was der Künstler
bei seinem Schaffen empfunden und erlebt hat: =Jesus Christus, mein Herr
und mein Gott.=
Im Laufe des Jahres 1958 wurde auch eine, von der Firma "AKO" in Kisleg(?) im Allgäu, neue Elektroheizung entwickelt, die ins Kirchenschiff eingebaut wurde.
Die Orgel , das Kreuz, Taufgerät und Alkovenleuchter wurden in ei-nem Festgottesdienst am Sonntag, den 28. September 1958 durch Herrn Superintendent Heuner der Gemeinde übergeben. Zum Gottes-dienst spielte der inzwischen nach Minden/Westfalen verzogene Organist, Herr Studienrat W.Kesper, die Orgel. Das war wieder ein Freudentag und ein Tag des Dankes für die Gemeinde.
Die Kosten für die Orgel in Höhe von DM 34.520,10 wurden durch Spen-den aus dem Kirchbauverein und durch ersparte Mittel aus den Haushaltsplänen der Jahre 1952-1957 aufgebracht. Ganz besonderen Dank für vorbildliche Kassenführung im Kirchbauverein und in der Gemeindekasse der Kirchengemeinde haben wohl Herr Franz Sternal und seine Frau Erna, geb.Utrata, verdient. Beide haben ihre ganze Freizeit in diesem besonderen Dienst gestellt. Die Erfolge durch ihren Einsatz im Kirchbauverein werden durch die Summe von ca. DM 54.000 deutlich gemacht, die dem Wiederaufbau der Auferstehungskirche zugute gekommen ist. Ebenso aber war auch die Arbeit in der Rendantur, die zunächst Herr Sternal und später Frau Sternal in vorbildlicher Weise getan hat, ein Dienst, welcher der Gemeinde bei der vielen Wiederaufbauarbeit zugute gekommen ist. Die Beratung von Seiten der Eheleute Sternal über eine verantwort-liche Verwendung der vom Gesamtverband der Evgl. Kirchengemeinden Dortmund zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel führte dahin, daß viele Ersparnisse gemacht werden konnten ,und bei dieser Haushaltsführung auch die Gemeinde in ihren mancherlei Gruppen und Ak-tivitäten nicht zu kurz gekommen ist.
Mit diesem Tag, dem 28.September 1958 - konnten dann auch die Wie-deraufbauarbeiten der so sehr zerstörten Auferstehungskirche wenn auch unter viel Not- aber so auch unter viel Freude, bis auf eine noch fehlende Glocke, zu Ende geführt werden. Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau der Auferstehungskirche, einschließlich der In-neneinrichtung und der Orgel betragen DM 381.656,07.
Von den drei vorhandenen Glocken wurde die kleinste kurz vor Kriegsschluß durch den NS-Staat wegen des Bronzemetalls enteignet und im Lünener Kupferwerk in den letzten Kriegstagen noch einge-schmolzen. Die beiden, der Gemeinde verbliebenen mittleren und großen Glocke, waren schon im Jahre 1932 als Ersatz für die im er-sten Weltkrieg ebenfalls durch den Staat enteigneten Bronzeglocken vom Bochumer Verein in Gußstahl gegossen worden. Durch Schaffung eines Glockenfonds (selbiger bestand nur aus Spenden) wurde als Ersatz für die im Jahre 1945 enteignet Bronzeglocke im Jahre 1967 ein Glocke aus Gußstahl beim Bochumer Verein in Auf-trag gegeben. Die Glocke wurde am 5. Mai 1967 von der Gemeinde in einer kurzen Feier auf dem Vorplatz der Auferstehungskirche eingeholt und nach einer Montagearbeit von 8 (acht) Tagen am 1.Pfingstfeiertag, dem 14. Mai 1967 , im Gottesdienst durch ein Weihehandlung zu den schon vorhandenen in den gemeinsamen Dienst gestellt. Diese kleinste unter den drei Glocken trägt auf ihrem Mantel das Wort aus dem Psalm 10, Vers 1: "Jauchzet dem Herren alle Welt." Seit diesem Tage hat die Scharnhorster Gemeinde wieder den Dreiklang eines Glockengeläutes, das den Menschen zu allen Zeiten ihres Lebens, in Zeiten der Freude wie auch in Zeiten der Not und des Leides, daran erinnern will, daß Gott, - in und durch Jesus Christus unser Vater geworden ist, und daß wir durch den Glauben an den Gekreuzigten, den Auferstandenen und Wiederkommenden - Gottes Gemeinde geworden sind. Eine Gemeinde, die auf die Vollendung des Reiches Gottes in Gewißheit wartet.
An diesem 1.Pfingstfeiertag wurde auch das im Jahre 1948 unter den Trümmern des schon wieder aufgebauten Pfarrhauses gefundene und durch den Gold und Silberschmied, Herrn Joachim Giesche, Bielefeld, zunächst in den ursprünglichen Zustand wiederhergestellte Abendmahlsgerät in der nun vorliegenden neuen Form in der Abendmahls-feier diese Gottesdienstes zum ersten mal benutzt.
Das Presbyterium hatte dem Vorschlag des Vorsitzenden, Herrn Pastor Moser, zugestimmt und das Gerät (Kanne, Kelch, Hostiendose und Teller) ganz neu umarbeiten zu lassen. Der Gold und Silberschmied, Herr Gotthold Schönwald aus Geisweid/Gießen, hat das trotz guter Reparaturarbeit nicht ohne Beschädigungstellen gebliebene Gerät eingeschmolzen. Aus dem so gewonnenen Rohmetall wurde dann von ihm ein neues Gerät geschaffen. Während das alte ein maschinell hergestelltes Gerät war, ist das neu geschaffene eine schlichte aber künstlerisch vollendete Handarbeit.
Taufschale und Wasserkanne , wie auch die Altarleuchter sind ebenfalls aus der Werkstatt von G. Schönwald. Auch diese Stücke sind von Hand gearbeitet. Taufschale und Kanne sind ein Geschenk der Männerdienstgruppe Scharnhorst.
Die Altarleuchter wurden, wie schon das Kreuz, von dem Ehepaar Immelt gestiftet.
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