Die letzten Zeilen der Gemeindegeschichte, die im Jahre 1913 von dem ersten Pfarrer der Gemeinde Scharnhorst, Carl Fritsch niedergeschrieben wurden, schließen mit der Feststellung: Die Gemeinde wird noch jahrelang mit der kirchenfeindlich eingestellten Gruppe der SPD zu kämpfen haben, um sich zu behaupten, innerlich zu wachsen und zu erstarken.
Heute darf die Gemeinde mit Dankbarkeit feststellen, daß Christus auch in Scharnhorst seine Königsherrschaft angetreten hat. Das soll nicht heißen, daß Scharnhorst in allen seinen Gliedern schon für Christus gewonnen ist. Der Kampf und die Auseinandersetzung mit den Christusfeinden geht auch heute noch weiter. der Weg bis heute ist wohl durch viel Tiefen und Anfechtung gegangen. So wird er auch immer wieder weitergehen. Aber Gott der Herr hat durch den Herrn Christus ganz in der Stille seine Gemeinde gebaut. Das ist ein herrlicher Trost und macht stark.
Der erste Weltkrieg 1914/18 hat auch in Scharnhorst über viele Familien Trauer und Leid gebracht. Nach einer noch aufgefundenen Urkunde aus dem im zweiten Weltkrieg zerstörten Kriegerehrenmal sind 66 Väter und Söhne der evangelischen Kirchengemeinde auf den Schlachtfeldern im Osten und Westen gefallen.
Von den drei Glocken wurden um des Edelmetalls willen die große und die mittlere be-schlagnahmt und eingeschmolzen. Das war ein schweres Abschiednehmen. Noch heute erzählen die Alten der Gemeinde mit Wehmut von dem letzten Geläut. Im Jahre 1932 wurden diese beiden für Kriegszwecke benutzten Glocken durch zwei Gußstahlglocken ersetzt. Sie wurden in der Glockengießerei des Bochumer Vereins hergestellt. Sie haben die furchtbaren Kriegseinwirkungen überstanden und läuten seit Heiligabend 1950, wieder mit einladender Stimme unsere Gottesdienste ein.
Mit den Jahren 1934/35 kam auch für die Gemeinde Scharnhorst die Bewährungsstunde für den wahren Glaubensstand ihrer Glieder. Durch die Kirchenwahlen 1933 schieden in Scharn-horst altbewährte Mitarbeiter aus dem Presbyterium aus. An ihre Stelle traten Männer, die in der Folgezeit eindeutig den Weg zur Bewegung der Deutschen Christen suchten. Die Gemeinde wurde durch diese Männer beunruhigt und verwirrt. Daneben aber erstarkte eine Gruppe von Gemeindegliedern, die aufklärend von Haus zu Haus gingen und das wahre An-liegen der Bekennenden Kirche bezeugten. Langsam aber stetig wuchs die Zahl derer, die sich zur Bekennenden Kirche hielten. Christus hatte auch in dieser schweren Zeit in Scharnhorst seine Getreuen.
Im Oktober 1935 verließ nach 32-jähriger
Arbeit im Weinberge Gottes, Pfarrer Carl Fritsch die Gemeinde, um in der
kleinen Gemeinde Pöppinghausen noch Dienst zu tun. Als Nachfolger
wurde im Dezember desselben Jahres Pfarrer H.Arnscheid in das Pfarramt
eingeführt. Die Bekennende Gemeinde erstarkte weiter und der deutschchristliche
Einfluß nahm immer mehr ab, indem die Glieder des Presbyteriums,
die dieser Bewegung anhingen, ihre Ämter aufga-ben. An ihre Stelle
traten Männer, die sich Christus und seinem Worte gegenüber verantwortlich
wußten.
Den schwersten Angriff hatte Scharnhorst in der Nacht vom 23. zum 24. Mai 1943 zu bestehen. In dieser Nacht wurden auch die kirchlichen Gebäude zerstört. Kirche, Pfarrhaus und Konfirmandensaal waren nicht mehr zu benutzen. Von diesem Augenblick an wurden die Gottesdienste in der noch erhalten gebliebenen kath. Kirche abgehalten. Aber auch diese Lösung sollte nur kurze Zeit anhalten. Bei einem der nächsten Angriffe wurde auch dieses Got-teshaus ein Opfer des Bombenkrieges. Beide Kirchengemeinden flüchteten nun für die kommenden Zeiten in den noch erhalten geblieben Keller der zerstörten kath. Kirche. In Scharnhorst gab es kein Gotteshaus mehr. Die Stätten der Anbetung Gottes waren ausgelöscht. Die Kirchen, ganz Scharnhorst mit den vielen schönen und modernen Bergarbeitersiedlungen, alles war ein riesiges Trümmerfeld. Unter den Trümmern waren viele Männer, Frauen und Kinder zu Tode gekommen. In einem, der evangelischen Kirche gegenüberliegenden Bunker sind 27 Menschen ertrunken. (Anm: Eine Wasserleitung wurde durch die Bomben zerstört, der Keller lief voll).
In einem anderen Bunker wurden durch einen Volltreffer 35 und in noch einem anderen 43 Menschen getötet. Ein furchtbares Bild der Zerstörung bot der Friedhof. Durch Volltreffer waren etwa 20 Grabstellen ausgeworfen worden. An ihrer Stelle gähnten zwei riesige Bombentrichter. Die letzte Ruhestätte wurde den Menschen genommen. Selbst die Toten wurden noch von dem furchtbaren Krieg heimgesucht.
Von dieser Zeit (Anm: nach den weiteren Angriffen) an war die Gemeinde bis zum Dezember desselben Jahres ohne direkte pfarramtliche Betreuung. In dieser Zeit haben die Pfarrer: Kohlmann-Derne, Lindemann, Reiß und Stratmann-Dortmund immer wieder neben ihrem Dienst in den eigenen Gemeinden ausgeholfen.
Von Dezember 1943 wurde Stadtmissionar Nitz von der Hörder Stadtmission durch die Superintendentur Dortmund mit der pfarramtlichen Betreuung beauftragt. Der bereits 57-Jährige hat 17 Monate lang bis Ende April 1945 in Treue und Aufopferung den Dienst eines mit Gottes Vollmacht ausgerüsteten Predigers in Scharnhorst getan. Tag für Tag kam er mit dem Fahrrad nach Scharnhorst. Kein Bombenangriff konnte ihn davon abhalten. Während die gottesdienstlichen Handlungen weiter im Keller der kath. Kirche getan wurden, begann er mit noch einigen Männern, unter denen Herr Stork sen. und Herr Vipotnik (der Kirchenküster) nicht ungenannt bleiben sollen, den Konfirmandensaal wieder notdürftig aufzubauen. Das war ein schweres Werk. Material war kaum zu bekommen. Die Arbeiten wurden durch pausenlose Angriffe immer wieder unterbrochen und erschwert. Trotzdem standen Stadtmissionar Nitz und seine Mitarbeiter alle Tage mit neuem Mut wieder auf der Baustelle, um aufzubauen, was in der Nacht oder auch am Tage zuvor zerstört worden war. Endlich im Januar 1945 schien das Werk gelungen zu sein. Man zählte nur noch Tage, bis daß dieser Raum wieder in Benutzung genommen werden konnte und sollte. Da kam der 28. Januar und an diesem Tag ein Luftangriff. Das Grundstück auf dem Kirche und Pfarrhaus ausgebrannt standen, der Konfirmandensaal, notdürftig und doch gut wiederaufgebaut war, erhielt 8 Bombenvolltreffer. Pfarr-haus und Konfirmandensaal wurden total zerstört. Ihre Stätte war nach dem Angriff nicht mehr zu sehen. Die Kirche erhielt einen Volltreffer im Altarraum. Die Bombe explodierte im darunter lie-genden Heizungskeller und riß ca.17m vom Kirchenschiff einschl. Chorraum weg. Alle Mühe des Aufbauens waren umsonst gewesen. Der Greuel der Verwüstung war bis zur geweihten Stätte vorgedrungen und hatte alles hinweggenommen. Auch der letzte Raum für die Gottesdienste der kath. und evgl. Kirche , der Keller der zerstörten kath. Kirche war nicht mehr.
Scharnhorst glich in diesen Tagen einem Totenfeld. Durch laufende Evakuierung von Frauen und Kindern und alten Menschen, war der Ort sehr stark entvölkert worden. Die evgl. Kirchengemeinde zählte in dieser Zeit noch rund 900 Seelen gegen 3800 vor dem Kriege. Aber auch jetzt, gerade jetzt mußte Gottes Wort verkündigt werden. Von dieser Notwendigkeit war auch Stadtmissionar Nitz zu tiefst überzeugt. Ihm zur Seite stand ein kleiner , aber getreuer Kreis von Männern und Frauen. Und so versammelte man sich Sonntags in dem Ladenlokal des Lebensmittelgeschäftes Stork, Am Westholz 27, zum Gottesdienst. Hier wurde Jesu Wort Wirklichkeit:" Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen." Es war wohl oft so, daß nur zwei oder drei oder fünf Men-schen in diesem kleinen, von den Angriffen auch stark mitgenommene Raum, mitten in den immer stärker werdenden Angriffen zusammenkamen. Die das mitgemacht haben, sie haben oft bezeugt: "Der Herr war unter uns, denn sein Wort hat uns in solchen Stunden viel Kraft gegeben."
Im Februar 1945 geriet Stadtmissionar Nitz auf dem Wege seiner in Hörde liegenden Wohnung in der Dunkelheit in einen, in der Wambelerheide liegenden Bombentrichter. Durch ein Wunder Gottes ist er vom Tode des Ertrinkens errettet worden. Und doch war sein Leben erfüllt. Nach einer überstandenen Lungenentzündung, die er sich bei dem Unfall zugezogen hatte, durfte er noch einmal Ende April 1945 der Scharnhorster Gemeinde dienen. Eine kleine Schar Kinder wurden von ihm im Ladenlokal der Familie Stork kon-firmiert und eingesegnet. Es sollte sein letzter Dienst in Scharnhorst sein. Der treue Diener des Herrn Christus legte sich zu seinem letzten Krankenlager nieder, welches nach einigen Wochen im Juni sein Sterbelager werden sollte. Sein Frau konnte bezeugen, daß er im Frieden Gottes zu seinem Herrn und Meister heimgehen durfte.
Hier sei auch noch erwähnt, daß Pfarrer C.Fritsch, nachdem er noch fast sechs Jahre nach seinem Fortgang von Scharnhorst in der kleinen Gemeide Pöppinghausen bei Rauxel hatte dienen dürfen, im Jahre 1942 durch Gott in die Ewigkeit abgerufen wurde. Auch er durfte vom Glauben zum Schauen durchdringen. Er hat die Zerstörung seines Lebenswerkes, der Kirche und des Konfirmandensaales in Scharnhorst nicht mehr erleben brauchen. Mit wieviel Liebe und Eifer hatte er doch von 1903 an den Bau der Kirche und des Saales vorwärtsgetrieben. Manche Reisen hatte er in das Ravensberger Land unternommen, um nach Gemeindeversammlungen in den dortigen Gemeinden für den Kirchbau in Scharnhorst zu kollektieren. So hing sein Herz an Scharnhorst auch noch nach seinem Fortgang. Er hatte es so lieb gewonnen mit seiner Kirche und dem Dienst für Christus. Gott der Herr hat ihn heimgeholt, zu einer Zeit, da der Krieg mit seinen Verwüstungen Scharnhorst noch nicht erreicht hatte . Das war Gnade.
Dieses Stück Gemeindegeschichte ist durch Erfragung einiger alter Gemeindeglieder entstan-den und niedergeschrieben worden.Mit Beendigung des Krieges war das Gemeindeleben der Evgl. Kirchengemeinde völlig zum Erliegen gekommen. Von nun an gingen die Treuen der Gemeindeglieder oft nach Brackel zum Gottesdienst. Die Brackeler Gemeinde war vom Krei-ge verschont geblieben. Andere wanderten am Sonntag nach Derne oder auch Kirchderne. Im Kirchderner Pfarrhaus wurden Gottesdienste gehalten. Das Gotteshaus war dort auch ausgebrannt und sehr stark zerstört. In Derne sammelte man sich in einem kleinen, notdürftig her-gerichtetn Raum es ausge-brannten Lutherhauses. Gottes Wille war es, daß die die zerstörte Scharnhorster Gemeinde wieder gesammelt werden sollte.
Im August 1945 wurde der aus englischer Kriegsgefangenschaft heim-gekehrte Diakon Karl Moser, der von 1934 bis zum Kriegsanfang als Volksmissionar im Kirchenkreis Dortmund Dienst getan hatte, durch die Kirchenleitung der Evgl Kirche von Westfalen mit der pfarramtlichen Tätigkeit in Scharnhorst beauftragt.
Es war ein schweres und doch auch wieder beglückendes Beginnen. Auf der Schachtanlage Scharnhorst lag zu der Zeit ein englisches Kommando. Dem Kommandoführer wurde das Anliegen der Evgl. Gemeinde vorgetragen, einen Schulraum der sehr stark beschädigten Wambelerholzschule für die gottesdienstliche und gemeindliche Arbeit freizugeben. Diese Bitte wurde sehr bald erfüllt. nach Fortschaffung der ca. 1 m hoch liegenden Trümmermassen, konnte am Samstag d. 11.8.1945 zum ersten Gottesdienst nach dem Krieg für den 12.8 eingeladen werden. Ein Tisch für den Altar wurde im Heizungskeller gefunden. Einige Schul-bänke, die in den übrigen zerstörten Klassenräumen standen, dienten als Sitzgelegenheit. Eine kath. Familie gab leihweise ein kleines Kreuz und zwei Leuchter. In einem Keller der Wambelerholzschule, der der N.S.V als Lagerraum für gesammelte Kleidungstücke gedient hatte, wurde eine Bibel gefunden. Nun hatte die Evgl. Kirchengemeinde wieder einen Gottesdienstraum. Die Arbeit konnte beginnen. Frauen und Kinder haben an diesem Samstagnach-mittag hin und her in der Gemeinde zum Gottes-dienst eingeladen. Am nächsten Morgen fan-den sich dan 26 Männer und Frauen zum Gottesdienst ein. Wir stellten uns in diesem Got-tesdienst unter das Wort aus Jesaja 40,1+2. Im Anschluß an den Gottesdienst kamen 6 Kinder zum Kindergottesdienst. Als später bei den Aufräumungsarbeiten auf der Trümmerstätte die Urkunde von der Grundsteinlegung der zerstörten Kirche aufgefunden wurde, konnte festge-stellt werden, daß im Jahre 1903 der erste Gottesdienst in einem Klassenraum der Wambelerholzschule durch Pfarrer Fritsch gehalten worden war. So war die Gemeinde durch die Kriegszerstörungen wieder an den Ort gestellt worden, wo sie vor 42 Jahren mit der Reichsgottesarbeit begonnen hatte.
Der Raum der Wambelerholzschule wurde im Laufe des November für die Abhaltung von Gottesdiensten, kirchlichen Unterricht usw. zu kalt. Durch die Zerstörung waren auch die Holzrahmen der Fenster herausgerissen worden. Material gab es nicht, um diese zu ersetzen. Die Gemeinde war daher sehr dankbar, als nach einer Rücksprache mit der Schulverwaltung der Stadt Dortmund ein völlig intakter Raum der Westholzschule für den gemeindlichen Dienst zur Verfügung gestellt wurde. In der Zwischenzeit waren von dem Presbyterium Verhandlungen wegen überlasung eines Gesellschaftsraumes im "Krug (zum grünen Kranze)", einem ehemaligen Beamtenkasino der Zeche Scharnhorst, mit der Direktion der Harpener Bergbau A.G. aufgenommen worden. Durch Entgegenkommen von Herrn Bergassesor Schlarb, konnte die Gemeinde am Ewigkeitssontag 1945 dem 25. November in einem ca. 100 Personen fassenden Gesellschaftsraum des "Krug" umziehen. Hiermit sollte die Gemeinde nun erst einmal zur Ruhe kommen. Fast zwei Jahre konnte der gemeindliche Dienst in diesem Raum getan werden. Die freikirchliche Gemeinschaft Lünen-Wethmar übergab der Scharnhorster Gemeinde ihre beiden großen Öfen die sie in ihrem Versammlungsraum stehen hatte. Eine fürwahr brüderliche Hilfe. Die Harpener Bergbau A.G. stiftete jedes Jahr 2t Koks für die Beheizung des Raumes. Letzteres wird auch heute noch so von Harpen gehalten. Die Gemeinde war wieder glücklich und das Leben in verschiedenen Gemeindegruppen, der Jugend, Männer und Frauen konnte wachsen. Die Gottesdienste wurden im Durchschnitt von 60-80 Gemeindegliedern besucht. Für 20 Personen waren Sitzplätze vorhanden. Diese wurden in der Hauptsache für ältere Gemeindeglieder vorgesehen. Alle anderen mußten stehen. Als alle Bemühungen, Stühle von den vom Krieg verschont gebliebenen Gemeinden zu bekommen, fehlschlugen , machten sich die zum größten Teil durch Ausbombung Mittelos gewordenen Gemeindeglieder auf und stifteten von ihren wenigen ihnen verbliebenen Habseligkeiten Stühle für den Gottesdienstraum. So standen am Heiligabend 1945 85 Stühle zur Verfügung. So wurde ein Notstand nach dem andern behoben.
Nach und nach kehrten evakuierte Frauen
und Männer wieder zurück. Die Kinder wurden im kirchlichen Unterricht
gesammelt. Jungschargruppen der Jungen und Mädchen und ein Jungmädchenkreis
bildeten sich. Die Frauenhilfe sammelte wieder ihre Mitglieder. 10-15 Männer
kamen monatlich einmal zu einer Männerstunde zusammen. Im Kindergottesdienst
versammleten sich Sonntags ca.120 Kinder.
Nun war die Kirche allerdings mit dieser Nachricht nicht da. Aber sie war für Scharnhorst sicher. Von dem Augenblick an, da diese Freudenbotschaft die Gemeindeglieder erreichte, begann auf der Trümmerstelle ein emsiges Treiben. In einer Arbeitszeit von 6 Monaten wurde der Aufstellungsplatz für die Notkirche hergerichtet.
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Rund 500t Trümmerschutt wurden durch gemeindeigene Kräfte, Frauen, Männer und Jugendliche fortgeschafft. Diese Arbeiten mußten mit der Hand getan werden. Maschinelle Kraft stand nicht zur Verfügung. Aus den Trümmern wurden ca. 20 000 Steine herausgeholt. Das war ein unermüdliches und fröhliches Arbeiten. Wer in dieser Zeit den Seelsorger sprechen wollte und mußte, der mußte zur Trümmerstelle kommen. Hier wurde der Turm der zerstörten Kirche zum Sprech-und Amtszimmer. Denn eine Wohnung war damals und ist auch zur Zeit noch nicht vorhanden.
Endlich am 9.Mai 1947 traf die Kirche ein. Die Sendung umfaßte zwei Eisenbahnwagen kost-baren Materials zum Aufbau einer Holzbarackenkirche von 21 m Länge und 7 m Breite. Mitgliefert wurden Bänke für 182 Plätze, 3 Sicherheitsöfen, Kanzel, 2 Tische und 5 Spindschränke.
Durch das unermüdliche Arbeiten des Geschäftsführers des Evgl. Hilfswerkes in Dortmund, Herrn Dr.Heinrich Schmidt, war Wunsch und Bitte der Gemeinde Scharnhorst in Erfüllung gegangen. Scharnhorst hatte wieder einen eigenen Gottesdienstraum.
Durch einstimmigen Beschluß des Presbyteriums wurden die Ausführungen der Bau -und Aufstellungsarbeiten dem Architekten Herrn Schickentanz aus Dortmund Kurl übertragen.
Von der Synodaldienststelle des Evgl. Hilfswerkes Dortmund wurde durch Herrn Dr. Schmidt, aus für den Wiederaufbau von kirchlichen Gebäuden zur Verfügung stehenden Mitteln, ein erster Betrag von 3000 RM in den Aufbaufonds gegeben. Die Kirchengemeinde brachte eine Haussammlung von 5374 RM auf. Außerdem wurde dem Seelsorger der Gemeinde bei seinen Hausbesuchen und Amtshandlungen in kürzester Zeit Gaben für den Auf-bau in Höhe von 1255,13 RM übergeben, so daß für die Aufbauarbeiten der Notkirche insgesamt 9629,13 RM zur Verfügung standen. Durch freundliches Entgegenkommen des Bauunternehmers Herrn Wettermann konnten in kürzester Zeit die zur Aufstellung benötigten 27 Fundamentesockel errichtet werden. Die Vermessungs-und Vorrichtungsarbeiten dafür wurden von Herrn Wettermann und seinem Sohn getan. Durch hochherziges Entgegenkommen der Harpener Bergbau A.G. und der Hoesch A.G in der Lieferung von Bau-holz für die Fun-damentsockel, Zement, Sand, Kalk und Asche wurde der Aufbau der Notkirche weitgehendst gefördert.
Sie konnte denn am Pfingstsonntag, dem 25. Mai 1947, dem vierten Jahrestag der Zerstörung der Scharnhorster Auferstehungskirche, die Grundsteinlegung zum Aufbau dieser Notkirche vorgenommen werden. Die Gemeinde versammelte sich an diesem Tage nachmittags auf der Trümmerstelle, die nun wieder Baustelle war, um durch eine schlichte Feier die Urkunde zu diesem Bau in einem der 27 Fundamentsockel einzubauen.
Bis Anfang August 1947 waren die Maurerarbeiten soweit fortgeschritten, daß die Montage der Fertigteile der Kirche vorgenommen werden konnte. Nach 8 Tagen stand die Kirche. Diese Arbeiten wurden von Männern der Gemeinde unter Leitung des Bauschreiners Herrn Hölscher aus der Windhake ausgeführt.
Endlich, am 12. Oktober kam für die Scharnhorster Gemeinde der Freudentag, an dem die Kircheneinweihung vorgenommen werden konnte. Der Tag wird allen, die ihn miterleben durften, unvergesen bleiben.
Trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit wurde der Tag ein fast hochsommerlicher. Die Einweihung nahm im Auftrage der Kirchenleitung der Evgl. Kirche von Westfalen Herr Superintendent Heuner vor, der seiner Weiherede die Worte aus 1. Johannes 5,4 zu Grunde legte. Die Festpredigt wurde von dem Pfarrstellenverwalter über das Wort aus dem Propheten Habakuk 2,20 gehalten. Dieses Wort steht über dem Inneneingang der zerstörten Kirche und ist in sei-nen leuchtenden Goldbuchstaben trotz Brand und Zerstörung erhalten geblieben . Als Vertreter des Superinten-denten überbrachte Pfarrer Lindemann die Grüße der Kreissynode. Herr Pfarrer Braun sprach die Segenswünsche des Evgl. Hilfswerkes von Westfalen aus. Nachmittags fand sich die Gemeinde zu einer würdigen Nachfeier in ihrem Gotteshause zusammen. Die Nachbargemeinden überbrachten in dieser Feierstunde ihre Grüße. Die Gemeindejugend führte die Anwesenden durch das Evangelienspiel "Der Ruf" in die Tiefe des Gleichnisses vom großen Abendmahl aus Lukas 14,16-24 ein.
Noch eines sei hier erwähnt. Kurz vor Beendigung der Aufräumungsarbeiten wurde einem Kellerraum des zerstörten Pfarrhauses Füllmaterial für die Zuschüttung eines Bombentrichters entnommen. Als die Sohle des Kellerraumes erreicht war, wurde dort das silberne Abendmahlsgerät wiedergefunden. Hier hatte es vier Jahre unter den Trümmermassen gelegen. Es war sehr stark beschädigt. Aber durch die unermüdliche Arbeit des Gold und Silberschmiedes Joachim Gieseche aus Bielefeld, wurde es im ursprünglichen Zustand wiederherge-stellt. Ostern 1948 konnte es zum erstenmal wieder benutzt werden.
Der heilige Gott hat Scharnhorst in seinem gerechten Gericht geschlagen. Aber ebenso hat er dieser Gemeinde seinen Gnade vielfältig bezeugt. Noch liegen die Zeichen des Gottes-Gerichtes in Form der zerstörten Kirchengebäude täglich vor unseren Augen. In der Notkirche, als Geschenk der Brüder jenseits der Grenze, leuchtet seine Gnade und Barmherzigkeit auf. Das Schönste aber ist dies: Die Gemeinde durfte in diesen Jahren nach dem Krieg wachsen nach innen und außen. Die Gemeindeseelenzahl,ist allmählich auf ca. 3000 angestiegen. Es kommen viele Menschen unter Gottes Wort. Die Kinderschar beträgt sonntäglich rund 180 Jungen und Mädchen. Die Jugendgruppen sind gewachsen. Ein Jungmännerkreis hat sich gebildet. Die Frauenhilfe hat ihren Vorkriegszustand an Mitgliedern wieder erreicht. Ein Männerdienst hat sich zusammengefunden. Die Monatsversammlungen werden von ca. 25-35 Männern besucht. Das sind Gnadenbeweise unseres Gottes. Ihm sei Lob, Preis und Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Dortmund -Scharnhorst, den 30. April 1953
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