Gemeindegeschichte der evangelischen Kirchengemeinde Scharnhorst begonnen im Monat September 1913 (1)


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Das Werden und Wachsen einer Industriegemeinde in unserer Zeit geschieht meist so blitzartig schnell, daß in einigen Jahren eine Fülle von Ereignissen zusammendrängt, die vielleicht für eine lange Folgezeit von geschichtlicher Bedeutung werden können. Die Kirchengemeinde Scharnhorst ist eine solche Industriegemeinde. Nordöstlich von Dortmund, in nördlicher Richtung hinter den Kirchengemeinden Brackel und Wambel fanden sich nunmehr vor 11 Jahren einige wenige Arbeiterhäuser und einzeln zerstreute kleine Gehöfte gleichsam herumgelagert um Trümmer einer alten Zeche, die früher hier abgeteuft, später aber versoffen war. Nun begann die Harpener Bergbau Aktiengesellschaft zu Dortmund, deren Eigentum die Grubenfelder der Zeche Scharnhorst sind, im Jahre 1897 aufs neue mit dem Abteufen der Zeche. Schnell erstanden die Verwaltungsgebäude und zu gleicher Zeit auch eine neue Kolonie mit Beamten- und Arbeiterhäusern im sogenannten Wambeler-Holz. Gleichzeitig wurden verschiedene Geschäftshäuser, eine achtklassige Schule auch im Wambeler Holz gebaut, zur Hälfte katholisch zur Hälfte evangelisch und an die zugehörigen Kirchengemeinden St.Reinoldi und Brackel trat die Notwendigkeit heran, auch kirchlich für die dort angesiedelten rund 1900 Evangelischen etwas zu tun. Nachdem zunächst die zuständigen Pfarrer Schmidt Dortmund und Pfarrer Bräker Brackel einige Zeit besondere Gottesdienste abgehalten hatten, sah man doch bald, daß auf die Dauer eine derartige Versorgung nicht möglich sein würde und Verhandlungen begannen die schließlich zur Gründung der Kirchengemeinde Scharnhorst geführt haben. Die weitere Entwicklung der Vorgeschichte wird am besten gekennzeichnet durch vollständige Wiedergabe des Aktenstücks das in den Grundstein der in Scharnhorst erbauten Kirche eingemauert ist.



Urkunde zum Grundstein der Kirche in Scharnhorst.

"Am heutigen Tage, dem 18. Juni im Jahre 1911 nach der Geburt unseres Herrn Heilandes Jesus Christi, 40 Jahre nach der Wiederaufrichtung des deutschen Reiches und im 23ten Jahre der gesegneten Regierung Kaiser Wilhelm des II, wurde der Grundstein zu diesem Kirchenbau gelegt. Nachdem auf Veranlassung der St.Reinoldi Gemeinde zu Dortmund und mit bereitwilliger Unterstützung der Harpener Bergbau-Aktiengsellschaft zu Dortmund eine selbständige seelsorgerliche Bedienung der Evangelischen des Wambelerholzes und der nördlich der Köln-Mindener Bahn gelegenen Spleißstücks der Kirchengemeinde Brackel beschlossen und vom Königlichen Konsistorium zu Münster genehmigt war, wurde am 1. Oktober 1903 der im Dienste der kirchlichen Gemeindepflege stehende Hilfsprediger Carl Fritsch durch das königliche Konsistorium nach hier versetzt und übernahm die Bedienung des Bezirks nach fester Instruktion als Hilfsprediger der St. Reinoldi Gemeinde zu Dortmund.

Die Gottesdienste und Amtshandlungen sowie auch die Bibelstunden wurden zunächst in einem Klassenzimmer der Wambeler Holzschule gehalten bis am 23. ten Sonntag nach Trin. 1904 von der Harpener Bergbau-Aktien Gesellschaft erbauten Kleinkinderschule angesiedelt werden konnte, darin Hauptsaal seit dem der Gemeinde als gottesdienstliches Lokal dient. Bereits im Monat November 1903 war ein Kirchenbauverein gegründet worden, mit der Aufgabe, für die Gründung einer selbständigen Kirchengemeinde, bzw. einem selbständigen Pfarrbezirk von St.Reinoldi sowie für die Erbauung und Pfarrhaus tätig zu sein. Nachdem die Gründung eines eigenen Pfarrbezirkes mit Kirche und Pfarrhaus bald von der St. Reinoldi-gemeinde abgelehnt war, tat der Verein die ersten Schritte zur Bildung einer eigenen Kirchengemeinde, indem er 3 Delegierte nach Münster entsandte , die dem Königlichen Konsistorium die Bitte der Evangelischen persönlich vortragen sollten. Das königliche Konsistorium hat infolgedessen mit allen beteiligten Instanzen verhandelt, auf einer Hausväterversammlung die Zustimmung der Mehrzahl der Evangelischen erhalten. Mit Splißteilen von Brackel und Wambel vereinigt sich in dem Vertrag (der) auf der südlich der Gronau-Emscher Eisenbahn gelegenen Splißteil der Kirchengemeinde Kirchderne. Am 1. Mai 1907 wurde dann durch Erlaß des Königlichen Konsistoriums zu Münster und der Königlichen Regierung zu Arnsberg der Gründung der evangelischen Kirchengemeinde Scharnhorst vollzogen mit der Bestimmung, daß die Grenze der Gemeinde im Süden durch die Köln-Mindener Eisenbahn, im Norden durch die Gronau-Emscher Eisenbahn und im übrigen durch die Grenzen der politischen Gemeinden Brackel und Wambel gebildet werden sollten. Nach Wahl und Bildung der kirchlichen Körperschaften wurde am 18. August 1907 der Hilfsprediger Fritsch zum Pfarrer der Gemeinde gewählt. Bereits am 27. Oktober 1907 wurde der erste Baubeschluß bezüglich Erbauung einer Kirche und eines Pfarrhauses gefaßt und für die Vorarbeiten eine Baukommission gebildet,bestehend aus dem ganzen Presbyterium und vier Repräsentanten. Am 1. Mai 1909 wurde der von der Harpener Bergbau Aktiengesellschaft geschenkweise angebotene Kirchbauplatz im sogenannten Ochsenkamp, politisch Gemeinde Kirchderne Flur VII No 587/61 von der größeren Vertretung angenommen und am 14. Mai 1908 wurde die Ausführung der kirchlichen Bauten dem Architekten Heinrich Hutze, Porta Westfalica übertragen. Nach längeren Verhandlungen wurden am 22. Juni 1909 die endgültigen Baubeschlüsse von der größeren Vertretung gefaßt auf Grund der von dem Architekten Hutze vorgelegten Zeichnungen und Entwürfe. Durch Erlaß des Herrn Minister für geistliche Angelegenheiten vom 16. Juli 1910 wurde der Kirchbau genehmigt. Nach eingeholter Genehmigung der örtlichen Behörden wurden die Arbeiten für den Bau ausgeschrieben und am 30. März 1911 mit dem Ausschachten begonnen. Die Kosten für den Bau sind auf 90000 MK veranschlagt. Dazu leistet die Harpener Bergbau Aktiengesellschaft einen Zuschuß von 25000 MK und die Hälfte der Kosten für das Betonfundament von ca. 5000 MK, der Staat 12000 MK, der Rest wird durch Kirchen- und Hauskollekten und Anleihen gedeckt. Außerdem hat die Muttergemeinde St. Reinoldi 10.000 Mk zur reicheren Innenausstatung geschenkt. Die Kirche ist als Langhausbau gebaut mit angedeutetem Querbau für eine spätere Erweiterung und octogonischen Chorschluß. Der Glockenturm ist von der Kirche etwas abgerückt um die Fundamente zu trennen.

Die äußere Länge der Kirche mit dem Turm beträgt in den Kernmaßen 36,45 Meter.

Für die Empore ist ein Treppenturm angebaut. Der Altarraum ist unterkellert für die Heizungsanlage und mit besonderm Zugang von Außen versehen. Für die Kirche sind 500 Sitzplätze angenommen, von denen sich 80 auf der Orgelempore befinden.

Die Ausführung der Erd und Betonierungs und Maurerarbeiten ist dem Baugeschäft August Weber aus Dortmund, die Werksteinbelieferungen Otto Schanlau in Hardegen bei Göttingen und die Zimmerarbeiten Landwehr und Co. übertragen.

Der allmächtige Gott aber wolle den Bau und die Bauenden in seinen Schutz nehmen und segnen.

Er wolle die ganze Gemeinde je mehr und mehr gründen auf den einzigen Fels des Heils, Jesus Christus: Er wolle alles was wir beginnen und vollenden gereichen lassen zu seines Namens Ehre ! Amen ! "

Scharnhorst, den 18 Juni 1911

Das Presbyterium und die Baukommission.



Um vorgehenden Überblick, den die Urkunde über die Entwicklung der Gemeinde bis zum 18. Juni 1911 gibt,sei hier noch das nachfolgend statistische Material beigefügt. Von Anfang an wurde auf Veranlassung des St. Reinoldi Presbyteriums ein eigenes kirchliches Nebenregister angelegt. Unser weist auf für das Jahr 1904: 53 Taufen, 9 Trauungen, 20 Beerdigungen, 18 Konfirmanden, 2300 Gottesdienstbesucher (durchschnittlich 40) und 126 Kommunikanten.

Für die Gemeindegründung wurden folgende Kapitalien gestiftet bzw. zugesagt:
1. von der Reinoldi Gemeinde, Abfindungssumme 40000 Mk
2. vom evangelischen Oberkirchenrat aus dem Hilfsfond für landeskirchliche Zwecke 12500 Mk
3. vom Kultusministerium aus Staatfonds 12500 MK
4. Aus dem provinzialkirchlichen Gemeinde und Pfarrstellen Gründungsfonds 10000 Mk
5. von der Harpener Bergbau Aktiengesellschaft
    a) zunächst auf 10 Jahre Beitrag zum Pfarrgehalt jährlich 2000 MK
    b) Beihilfe für den Kirchbau 25000 Mk
    c) Geschenk des Kirchbauplatzes
6) Der evangelische Kirchbauverein hat bis zur Gemeindegründung (1. Mai 1907) mit großer Treue für die liturgischen Nebenausgaben, für Küster und Organisten etc. zig Mark (gesammelt), außerdem aber ein kleines Kapital gesammelt zur Ausschmückung der Kirche in Höhe vom 1362,90 Mk und hat selbst die seit dem 1. Mai 1907 geführten Kirchenbücher gestiftet.

Nach Gründung der Kirchengemeinde wurde unter dem Vorsitz des Herrn Superintendenten Schacht am 7. Mai 1907 die erste Repräsentation gewählt bestehend aus den Herren:
 

1.Polzin Karl, Betriebsführer  13.Kacinski Johann ,Bergmann 
2.Weirich Christian ,Metzgermeister  14.Albert Fritz ,Gastwirt
3.Ciebrowius Gottfried, Bergmann  15.Bosselmann Wilh ,Wettersteiger 
4.Rauscheck August ,Bergmann  16.Hölz Peter ,Oberaufseher 
5.Freimuth Wilhelm, Schmiedemeister 17.Hausberg Friedrich ,Schuhmacher 
6.Salzmann Heinrich, Waschmeister  18 Schimmel Konrad ,Bergmann 
7.Adomat Albert ,Schmied  19.Biermann Herrmann ,Kaufmann 
8.Schwentzeck Samuel, Bergmann 20.Biermann Adolf ,Landwirt 
9.Müller Herrmann ,Betriebsinspektor 21.Runkel August ,Bergmann
10.Cramer Ewald ,Steiger 22.Schulte Wilhelm ,Stallmeister
11.Daubenspeck Waldemar ,Steiger 23.Bentmann Gustav ,Bäckermeister
12.Reinecke Karl ,Schichtmeister  24. Jörgens Otto ,Kaufmann

Am 20 Mai 1907 wurde unter dem Vorsitz des Pfarrverwesers Fritsch die Wahl des ersten Presbyteriums getätigt.

Es wurden gewählt:
 

1. Müller Herrmann, Betriebsinspektor 
    als 1. Kirchenältester
4. Biermann Adolf, Landwirt als 2. Kirchmeister
2. Polzin Karl, Betriebsführer 
    als 2. Kirchenältester
5. Cramer Ewald, Steiger als 1. Diakon
3. Hölz Peter, Oberaufseher als 1. Kirchmeister 6. Runkel August, Bergmann als 2. Diakon

Über die weitern Daten der Gemeindegeschichte bis zum 18. Juni 1911 gibt ja die vorangestellte Urkunde genügend Auskunft.



Der Friedhof
Besonders erwähnenswert ist noch daneben, daß seit dem Jahre 1909 der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden seitens der Harpener Bergbau Aktiengesellschaft auf ein besonderer Friedhof im sogenannten Westholz übergeben worden ist, dessen evangelischer Teil am 14. November 1909 durch den Pfarrer unter Mitwirkung des Kirchenchor feierlich eingeweiht wurde, gelegentlich der ersten Beerdigung. Der Vertrag bei Übernahme des Friedhofs vom 7. November 1909 fordert die Ablieferung der Grabgebühren, die Instandhaltung des Friedhofs sowie die Zahlung des Wassergeldes durch die Gemeinde.

Ende Juni 1911 wurde das Pfarrhaus durch den Pfarrer bezogen, der bis dahin 7 Jahre hindurch den Seitenflügel eines Beamtenhauses bewohnt hatte, der ihm von der Harpener Bergbau Aktiengesellschaft zuvorkommend gegen geringe Miete zur Verfügung gestellt worden war. Der angebaute Konfirmandensaal dient inzwischen dem evangelischen Jünglings und Männerverein als Heim. Das Pfarrhaus ist in der Hauptsache durch die Firma Landwehr und Co Wambel erbaut worden. Die Dachdeckerarbeiten waren dem Dachdeckermeister Kranberg in Brackel , die Klempnerarbeiten dem Klempnermeister Waibel in Brackel, die Zimmerarbeiten der Firma Stute und Franzmeier Minden-Barkhausen und die Anstreicherarbeiten dem Anstreichermeister Webelsiek Scharnhorst übertragen.



Bau der Kirche
Die Arbeiten zum Kirchbau haben gleichfalls einen ruhigen und ungestörten Fortgang genommen. Gottlob ist kein Unfall zu beklagen. Die Dachdeckerarbeiten waren der Firma Greve Dortmund übertragen. Die innere Ausmalung der Kirche ist durch Kirchenmaler Hans Berg, Dortmund schön und sachgemäß ausgeführt. Die Rabitzwölbung lieferte die Firma Harms, Münster. Die Orgel stammt von Orgelbaumeister Klarmexer , Kirchheide , Altar, Kanzel und Taufstein wurden in gothischem Stil künstlerisch durch den Bildhauer Reinicke, Porta Westfalica, ausgeführt. Das Material ist französischer Kalksandstein. Das Gestühl kommt von der Firma Gebrüder Hahn, Altena i. Westf.. Die Fenster von der Firma Ferdinand Müller, Quedlinburg. Die Turmuhr lieferte die Firma Korfhage, Buer i.W. Sie ist ein Achttagewerk und gibt volle und halbe Stunden mit einer Glocke. Die Bronzeglocken wurden angefertigt von der Firma Pfeiffer in Kaiserslautern. Die Glocken sind abgetönt auf die Töne c, fis,gis. Die große Glocke trägt die Inschrift: "Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht."Math 24, Vers 35. Die zweite Glocke mahnt: "O Land, Land, Land, höre des Herren Wort. " Jer 22,Vers 29 Und die kleine Glocke frohlockt:"Jauchzet dem Herren alle Welt." Psalm 100 Vers 1. Der steinere Altar trägt in sich ein von Herrn Geheimrat Müser gestiftetes Altarbild. Der Auferstandene: (eine Kopie von Plockhorst.) Das große Chorfenster hinter dem Altar, gestiftet von dem evangelischen Kirchbauverein Scharnhorst, zeigt die Himmelfahrt und endet oben in der Rose mit dem Lamm, das die Fahne trägt und dem Monogramm Christi, in der gleichen Zeichnung, wie sie auch das Kirchensiegel der Gemeinde aufweist. So soll durch den Altarraum der Gedanke dargestellt werden, wie Christus , für uns am Kreuz gestorben, auferstanden, gen Himmel gefahren, sitzend zur Rechten Gottes, unser alleiniges Heil ist. Neben dem großen Altarfenster sind in kleinen Fenstern links Lukas ,rechts Paulus dargestellt; links das Gesetz, rechts der Glaube. Der Triumpfbogen, der Altarraum und Schiff verbindet, soll darstellen die Einheit der streitenden mit der triumpfierenden Kirche. Die Dornen der Kreuzträger ranken sich in die Höhe des Gewölbes hinein und werden abgelöst von den Palmen die die Seligen tragen. Als Sinnbild des Triumpfes steht in Höhe der  Erzengel Michael wie er den Drachen unter seinen Füßen tritt. Die reiche Ausstattung von Altar ,Kanzel und Taufstein wurde nur durch die Schenkung der St.Reinoldi Gemeinde (von) 10.000 MK ermöglicht. Festbekleidung und Altarteppich wurden von der Frauenhilfe Scharnhorst gestiftet. Der Kirchenbauverein stiftete außer den Fenstern noch die Sakristeimöbel und den Taufteller. Aus Sammlungen in der Gemeinde wurden die Abendmahlsgeräte bestritten. Die wertvolle Altarbibel wurde von Ihrer Majestät der deutschen Kaiserin geschenkt. Am 3. November 1912 wurde die Kirche feierlich durch den Herrn Generalsuperintendenetn Dr. Zöllner, Münster eingeweiht, der seiner Weiherede den Stiftungsspruch der Altarbibel Math 5 Vers 7 ("Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.") zu Grunde legte, der Ortspfarrer predigte über Römer 1 Vers 16 ("Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht .. ") Durch Festgeläut am Vorabend und am Festtag selbst, sowie durch Mitwirkung des verstärkten Posaunenchor der Gemeinde wurde die Feier verschönt. Ein kleines Festmahl sowie eine Nachfeier, letztere im großen Saal der Wirtschaft Albert ,entsprachen der Bedeutung des Tages.


Aus der weiteren Gemeindegeschichte des Jahres 1907 ist noch nachzutragen, daß der erste Küster der Gemeinde der Berginvalide Bergmann am 25. Januar 1911 nach schwerer Krankheit verstarb. Die Küsterdienste wurden zunächst seiner Familie belassen, bis das Presbyterium am 29. Februar 1912 den Bergmann Johann Lukas einstimmig zum Küster wählte. Dieser verünglückte im Anfang des Jahres 1913 auf der Zeche Scharnhorst und starb an den erlittenen Verletzungen am 10. März 1913. Für ihn wurde durch das Presbyterium am 23. September 1913 der Bergmann Ludwig Wnuck zum Küster gewählt und am 28. September 1913 eingeführt und vereidigt. Die Dienste des Organisten versieht bisher der Lehrer Karl Hüsing, Wambelerholz. Die äußere Entwicklung der Gemeinde wurde zunächst dadurch bestimmend beeinflußt, daß die Harpener Bergbau Aktiengesellschaft zum 1. Oktober 1907 eine Kolonie von 20 Vierfamilienhäuser in dem zur politischen Gemeinde Brackel gehörenden Spleißstück nördlich der Zeche Scharnhorst erbauten, die sogenannte Kolonie Grunewald. Diese Kolonie wurde im Jahre 1912 um 11 Vierfamilienhäuser erweitert. Zur Zeit sind wieder 13 Vierfamilienhäuser im Bau. Noch ist das Wachstum der Gemeinde dadurch nicht allzusehr beeinflußt, da sich das Verhältnis wesentlich zu Gunsten der katholischen Konfession verschoben hat. Die Seelenzahl der Gemeinde schwankt zwischen 1500 und 1800 Seelen. Im Jahre 1912 wurden getauft: 65 Kinder, konfirmiert 38 Knaben und Mädchen, getraut 8 Paare, beerdigt 28 Personen. Die Gottesdienste wurden besucht von 3490 Personen, am heiligen Abendmahl nahmen 257 Personen teil. Es wurden an allen Sonn- und Feiertagen regelmäßig Gottesdienste abgehalten, an den ersten Feiertagen 2 Gottesdienste, an den sonntäglichen Gottesdienst schließt sich fast regelmäßig auch ein Kindergottesdienst an. Abendmahlsgottesdienste wurden gehalten am heiligen Abend, Sylvesterabend, jeden Freitag in der Passionszeit, am Karfreitag und am Totenfest . Ferner wurden zusätzlich 6 Feiern des heiligen Abendmahls gehalten. Im Winter finden auch Bibelstunden statt. Haustaufen sind wenig üblich, da für dieselben 3 Mk Stolgebühren erhoben werden. Für Haustrauungen sind 15 Mk Stolgebühren angesetzt Beerdigungen sind dagegen von Stolgebühren frei.


Seit dem Jahr 1904 arbeitet der Kirchbauverein (aufgelöst im November 1912), die Frauenhilfe, der Jünglingsverein, der Jungfrauenverein. Im Dezember 1912 wurde ein Arbeiter- und Männerverein gegründet der z. Zt 100 Mitglieder zählt, außerdem besteht noch ein gemischter Chor, der zu den kirchlichen Festen mitwirkt.


Gleichzeitig mit der Gemeindegründung hat eine scharfe, von den Sozialdemokraten veranlaßte Dissidentenbewegung eingesetzt. Im Jahre 1907 waren allein 30 Austritte zu verzeichnen deren Zahl sich bis jetzt auf 66 vermehrt hat. Doch scheint diese Bewegung allmählich zum Stillstand zu kommen. Und freilich ist gewiß, daß die Gemeinde noch jahrelang zu kämpfen haben wird, um sich mitten in der kirchenfeindlichen Umgebung zu behaupten und auch innerlich zu wachsen und zu erstarken.

Scharnhorst, dem 29. Dezember 1913

gez. Fritsch, Pfarrer

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